
Rüthen (lwl). Selbst die einfachsten Liedbegleitungen waren zuletzt für
die kleine Orgel in der Kirche in Rüthen-Kellinghausen (Kreis Soest) zu schwierig,
so schadhaft waren die Windversorgung, die Mechanik und das Pfeifenwerk der
Orgel. Deshalb ließ die Kirchengemeinde St. Maria Magdalena das Instrument,
über das bis dahin wenig bekannt war, erforschen und restaurieren. Für
diese besonders gelungene Instandsetzung und Restaurierung zeichnete der
Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) jetzt die Orgel aus dem 19. Jahrhundert
als Denkmal des Monats aus. Die Arbeiten an der Orgel haben das Erzbistum
Paderborn und das Land Nordrhein-Westfalen finanziell unterstützt, das
LWL-Amt für Denkmalpflege in Westfalen hat die Restaurierung fachlich begleitet.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ließ die Kirchengemeinde ihre zu klein
gewordene und baufällige Barockkapelle aus dem Jahr 1790 abbrechen. Der
Paderborner Architekt Franz Mündelein baute an ihrer Stelle eine neubarocke
Kirche, die 1912 eingeweiht wurde. »Der Kirchenneubau brachte die
Kellinghausener Gemeinde in arge Finanznot. Deshalb reichte das Geld wohl nicht
mehr für eine neue Orgel und die Gemeinde kaufte eine gebrauchte Orgel.
Über diese Orgel war nur wenig bekannt, als Bauzeit wurde die zweite
Hälfte des 19. Jahrhunderts vermutet«, berichtet LWL-Denkmalpflegerin
Dr.-Ing. Roswitha Kaiser.
Die kleine einmanualige Orgel von sechs Stimmen mit angehängtem Pedal steht
im Westen der Kirche auf einer Empore. Das Gehäuse ist eine schrankartige
Rahmen-Füllungskonstruktion mit seitlichem Spieltisch. Es ist im Mittelteil
mit einem Sprenggiebel bekrönt und rundherum mit Zinnen versehen. Im Prospekt
befinden sich ab Brüstungshöhe drei spitzbogige Flachfelder mit
jüngeren Zinnpfeifen.
Als die Orgel abgebaut wurde, machten die Restauratoren im Inneren interessante
Funde: Die Windlade war mit zahlreichen Zeitungs- und anderen Papierresten von
innen abgedichtet worden. »Bei der Entzifferung dieser Papiere hat Prof.
Dr. Martin Blindow aus Münster uns geholfen. Sie weisen darauf hin, dass
der Essener Orgelbauer Heinrich Küper um 1882 an der Orgel gearbeitet hat.
In den 1930er Jahren hat der Lippstädter Orgelbauer Tennstädt die Orgel
überarbeitet. Das hat er aber wenig sensibel gemacht, deshalb mussten
einige seiner Zufügungen und Veränderungen bei der Restaurierung
aufgegeben werden«, so Kaiser.
»Alles, was von der Balganlage, der Windzuführung, der Lade, den
Pfeifen, der Mechanik bis hin zu den Tasten zu dieser kleinen romantischen Orgel
gehört, hat die Siegener Orgelwerkstatt Mebold sorgfältig restauriert
und dokumentiert. Das hölzerne Gehäuse hat ein Rüthener
Restaurator entsprechend der letzten Farbkomposition übermalt. Die beiden
älteren historischen Farbgebungen sind darunter erhalten geblieben«,
ergänzt LWL-Denkmalpflegerin Dr. Iris Tillessen.
Pressekontakt:
Markus Fischer, Tel. 0251 591-235
presse@lwl.org
Quelle: http://www.lwl.org/pressemitteilungen/mitteilung.php?16664 (März 2007)