Nur das edle Gehäuse steht noch

»Das wird ein einmaliges Instrument in der Orgelbaulandschaft.«
kk– Seit vier Jahren wird in der Ev.-Ref. Kirchengemeinde Klafeld geplant und um Spenden geworben. Nun ist es so weit: Seit Samstag wird die betagte Orgel der Talkirche, die nach Vollendung des Baus im Jahr 1906 in Dienst gestellt worden war, abgebaut. Auf der Empore ist mittlerweile nur noch das ursprüngliche Holzgehäuse geblieben. Das Innenleben ist gewichen. Etliche historische Pfeifen – etwa fünf Register – werden aber im neuen Instrument, das bereits in der Werkstatt von Orgelbau Mebold in Breitenbach gefertigt wird, erneut zum Einsatz kommen. In einem Jahr soll die neue Orgel, die 300000 Euro kostet, fertig sein. Möglichst bald wollen die Verantwortlichen die Summe komplett haben. Spenden in Höhe von rund 50000 Euro fehlen noch in der Kasse.
In den letzten Jahren sei die Orgel überwiegend in Eigenregie »spielfähig gehalten« worden, skizzierte Kirchenmusikdirektor Ulrich Stötzel die Situation. Ursprünglich war das Instrument von romantischen Klangfarben geprägt worden. Die entsprachen nach dem 2. Weltkrieg nicht mehr dem schon etablierten neobarocken Klangideal. In den 50er Jahren wurden die Grundtöne deshalb zum Teil gekappt. Das ging auf Kosten der klanglichen Geschlossenheit. Zehn Jahre später machte die Technik schlapp und musste ersetzt werden. Bereits der seinerzeit gewählte Ersatz entsprach nicht mehr dem aktuellen Stand. Die Orgel wurde zum permanenten Sorgenfall. In gewissen Abständen waren zum Teil aufwendige Reparaturarbeiten notwendig. Diese verschlangen immer wieder stattliche Summen.
Stötzel: »Wir brauchten eine Lösung für die nächsten 100 Jahre.« Diese soll das künftige Instrument mit seinem »neuen, alten Klangbild« bringen. »Das wird ein einmaliges Instrument in der Orgelbaulandschaft.« Denn: Die Geschichte des Instruments findet beim Neubau Berücksichtigung. »Wenn man nach oben blickt, wird man eine Gestaltungseinheit aus dem finden, was man hört, und dem, was man sieht.« Die Orgel wird ihre alten romantischen Farben zurückerhalten. Stötzel: »Wie sie einmal geklungen hat, weiß man heute nicht mehr genau.« Mit Sicherheit sei der Klang »breit und grundtönig« gewesen. Aber auch klassische Orgelmusik soll im neuen Instrument ihr Zuhause finden. Die Registersteuerung erfolgt elektronisch. 28 Register mit voraussichtlich 1288 Pfeifen soll die Orgel haben.
Ist das neue Instrument komplett in der denkmalgeschützten Talkirche installiert, soll es in die Siegener Orgelwoche eingebunden werden. Bis dahin aber ersetzen Klaviermusik oder der Posaunenchor die Klänge des mächtigen Instruments im Gottesdienst. Zum Erhalt der Kirche und des Interieurs soll in Kürze auch ein freiwilliges Kirchgeld beitragen.

Siegener Zeitung, 3. September 2008

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